Persons with disabilities are NOT excluded from ....

"the general education system on the basis of disability, and that children with disabilities are not excluded from free and compulsory primary education, or from secondary education, on the basis of disability"
Article 24 CONVENTION ON THE RIGHTS OF PERSONS WITH DISABILITIES

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Dessau-Roßlau

Im Rollstuhl statt im Heim daheim

VON SILVIA BÜRKMANN, 28.04.11, 20:13h, aktualisiert 28.04.11, 20:34h
Matthias Grombach
Matthias Grombach. (FOTO: PRIVAT)
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DESSAU/MZ. Der Sommertag vor 20 Jahren - er hat sich unauslöschlich in das Gedächtnis von Matthias Grombach eingebrannt. Nach einem Sprung in einen Dessauer See sind alle Kapitel seines jungen Lebens plötzlich zugeklappt. Ohne Chance noch einmal zurückzublättern. Der damals 15-Jährige überlebt den Unfall, auch dank des schnellen Eingreifens seiner Freunde. Zwei Halswirbel aber sind gebrochen, das Rückenmark verletzt. Nach der Operation in einer Magdeburger Klinik das Finale im letzten Kapitel des ersten Lebens: Matthias Grombach wird für immer gelähmt bleiben und auf die Hilfe anderer angewiesen.

Die nächsten 13 Jahre lang betreuen die Eltern den Sohn, bis deren eigene gesundheitlichen Probleme eine Pflege zu Hause nicht mehr möglich machten. Matthias Grombach wird in einem Dessauer Altenheim untergebracht, wie er selbst sagte: "aus Mangel an Alternativen mit vorübergehender Zustimmung, dann gegen meinen ausdrücklichen Willen". Ein knapp 30-Jähriger gehöre nicht in ein Altenheim, ist er überzeugt. Und dankbar, zur rechten Zeit von der Möglichkeit einer "persönlichen Assistenz" erfahren zu haben.

Damit ist jegliche Form der Hilfe beschrieben, die der Person ermöglicht, ihr Leben mit allen Beeinträchtigungen möglichst selbstbestimmt zu leben. Nach diesem modernen Modell erhalten die Bedürftigen einen monatlichen Betrag, für den sie ihre Pflege selbst organisieren. Bestenfalls in der eigenen Wohnung. Die Finanzierung läuft für gewöhnlich durch die Krankenkassen, Pflegekassen und Sozialämter. Matthias Grombach stellt einen Antrag für dieses "persönliche Budget" im Februar 2007 beim zuständigem Sozialhilfeträger.

Der Fortgang der Geschichte ist kein Selbstläufer. Matthias Grombach wird zum Kämpfer im Rollstuhl. Nach einer ersten Absage aus der Sozialagentur Sachsen-Anhalt zieht er vor das Sozialgericht, ersucht und erhält Unterstützung von den Behindertenbeauftragten der Bundes- und Landesregierungen und von Bundestags- und Landtagsabgeordneten sowie Dessau-Roßlauer Stadträten, zum Beispiel Monika Andrich.

2009 kommt wieder Bewegung in das Verfahren. Inzwischen hat auch der Bundestag die UN-Konvention über die Rechte der Menschen mit Behinderungen ratifiziert. Matthias Grombach wird vom Rollstuhl aus aktiv: per Handy und sprachgesteuertem Computer trägt er seine Geschichte in Internet-Foren vor, erfährt Zuspruch und Unterstützung. 2009 fällt dann die Entscheidung über den Auszug aus dem Altenheim in eine eigene Wohnung. Grombach hat vor dem Landesgericht Halle mit der Sozialagentur am 31. August 2009 einen Vergleich geschlossen.

Und 2010 öffnet sich dann wirklich die Tür zu einem neuen Lebensabschnitt. Am 14. Februar zieht Matthias Grombach aus dem Altenheim in seine eigene, neue Wohnung. Der Vergleich ermöglicht ihm die Rolle eines Arbeitgebers für Assistenten. Die Hilfeleistungen umfassen einen 24-Stunden-Zeitraum.

Seit einem Jahr nun lebt Matthias Grombach in den eigenen vier Wänden. In einer barrierefreien, mit Fahrstuhl zugänglichen Wohnung in Dessau-Nord. "Mir geht es gut", sagt der mittlerweile 34-Jährige und verdrückt sich ein Grinsen: "Den Umständen entsprechend mit allen körperlichen Beeinträchtigungen." Mit seinen Assistenten ist der junge Mann derzeit viel unterwegs. Über eine Bundesinitiative und im "Forum selbstbestimmter Assistenz behinderten Menschen e.V." (ForseA) informiert Matthias Grombach landes- und bundesweit u. a. über das persönliche Budget und Assistenzmodell. Wie die Initiative heißt? Sehr treffend: "Daheim statt Heim".

Für das ZDF recherchierte Annette Pöschel einen Beitrag, der Grombachs Odyssee am Sonnabend, 17.45 Uhr, in "Menschen - das Magazin" beschreibt.



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