Persons with disabilities are NOT excluded from ....

"the general education system on the basis of disability, and that children with disabilities are not excluded from free and compulsory primary education, or from secondary education, on the basis of disability"
Article 24 CONVENTION ON THE RIGHTS OF PERSONS WITH DISABILITIES

Prof. Dr. phil. Jutta Schöler, Erziehungswissenschaftlerin: Eine Schule für alle - Schluss mit der Sonderschule

Eine neue Studie der Bertelsmann-Stiftung über integrative Bildung ergab: Das deutsche Förderschulsystem ist teuer, ineffektiv und ungerecht. Und: Behinderte sollten in normale Schulen integriert werden. Ist das »Das Ende der Förderschulen?« Unter dieser Fragestellung blickt die DIE WELT auf den Ist-Zustand unseres Schulsystems, bei dem Deutschland im internationalen Vergleich noch immer einen Sonderweg beschreitet: Anders als in Ländern wie Italien, Spanien oder Schweden ist es an deutschen allgemeinbildenden Schulen derzeit noch immer die Ausnahme, Kinder mit geistiger oder körperlicher Behinderung in die Klassen zu integrieren. Dabei kommt eine vom Duisburger Bildungsforscher Klaus Klemm erarbeitete Studie ebenfalls zu dem Schluss, dass Sonderschulen die Entwicklung behinderter Kinder hemmen. Auch Gastkommentatorin Jutta Schöler fordert schon seit Jahren »eine Schule für alle«. Die Erziehungswissenschaftlerin und Pädagogin ist überzeugt: von inklusiver Bildung profitieren alle.

Wir leben in Deutschland in einer ver-rückten Welt. Als »normal« gilt: Behinderte Kinder werden – oft gegen den Willen ihrer Eltern – durch Verwaltungsentscheidung in eine Sonderschule geschickt, von deren Vorteilen viele Menschen nicht überzeugt sind. Verletzen diese Eltern ihre Erziehungspflichten? – Nein! – Sie können sich bisher gegen derartige Entscheidungen nur mit sehr großem Aufwand, guten Nerven und Unterstützung durch einen Rechtsanwalt wehren.

Sobald bei einem Kind eine Lernschwierigkeit, eine Sinnesschädigung oder eine Behinderung diagnostiziert wird, beginnt die Aussonderung. In deutschen Schulen wird bisher in der Regel nicht nach der notwendigen Unterstützung für dieses Kind am Wohnort gesucht, sondern: Es wird weggeschickt: In zumeist gut ausgestattete »goldene Käfige«, die sich Sonderschule oder Förderzentrum nennen. Ich kann gut verstehen, wenn Eltern verunsichert werden: Soll ihr Kind auf die kleine Klasse mit sechs bis zehn Schülerinnen und Schülern und speziell ausge-bildeten Sonderpädagoginnen und -pädagogen, die Therapien verzichten?

Was oft vergessen wird: Mit der Entscheidung für den Sonderkindergarten oder die Sonderschule beginnt ein Sonderweg, ein Leben in einer »Schonraumfalle« aus der nur sehr wenige Kinder wieder herauskommen. Lange Schulwege isolieren die Kinder. Sie können sich nicht am Vormittag verabreden für das Spiel am Nachmittag oder am Wochenende. Sie trauen sich nach einer gewissen Zeit nicht mehr auf den Spielplatz – weil sie dort niemanden kennen. Die anderen »ganz normalen« Kinder als Vorbild, Unterstützung und Partner kann kein Erwachsener – und sei er noch so gut ausgebildet – dem Kind mit den besonderen Lernproblemen ersetzen. Geschwisterkinder sind häufig überlastet, wenn sie für das Kind mit Behinderung die einzigen zuverlässigen Spielpartner sind.

Das muss nicht sein! Mit der Verabschiedung der UN-Konvention für die Rechte behinderter Menschen soll auch in Deutschland Realität werden, was in vielen anderen Staaten eine Selbstverständlichkeit ist: Alle Kinder lernen gemeinsam in einer Schule. Eine Klasse mit ca. 20 ganz »normalen« Kindern bietet für ein Kind mit einer Behinderung 20 Mal die Chance, eine Freundschaft in der Schule zu schließen und in der Freizeit weiter zu führen. Nicht die Kinder müssen zu den speziell ausgebildeten Lehrern gefahren werden, sondern: Die Sonderpädagoginnen und -pädagogen müssen in den Regelschulen die Kinder begleiten und dort im Unterricht mit allen anderen Lehrer/innen kooperieren. Viele Länder haben seit ca. 30 Jahren Erfahrungen gesammelt mit einem Schulsystem, wo kein Kind gegen den Willen seiner Eltern von der Schule abgewiesen werden darf, in die auch die Geschwister- oder Nachbarkinder gehen. Inzwischen gibt es auch etliche Schulen in Deutschland, die so arbeiten.

Konsequente Inklusion von Kindern mit Behinderung ist nicht teurer als das Nebeneinanderbestehen von Sonderschulen und Regelschulen. In den Köpfen der Menschen müssen sich die Vorstellungen verändern: Guter Unterricht bedeutet: Alle Kinder erhalten Lernangebote, die ihren Fähigkeiten und Interessen entsprechen und erleben das Lernen als etwas Positives, wofür sie sich auch nach der Schulzeit noch interessieren.

Alle Kinder sollten während der Pflichtschulzeit gemeinsam lernen dürfen – kein Kind darf beschämt, kein Kind ausgesondert werden. Dieses Recht haben die Schülerinnen und Schüler in Deutschland, die wegen unterschiedlicher Lernprobleme zu »Lernbehinderten« erklärt wurden, deshalb nicht die Schule am Wohnort besuchen dürfen und kaum Chancen auf einen »normalen« Schulabschluss haben. Das Recht auf ein Leben in der Gemeinschaft haben auch die wenigen, schwer behinderten Kinder: Je schwerer ein Kind behindert ist, umso notwendiger braucht dieses Kind und seine Familie die Anregungen und die Unterstützung der Gesellschaft.

Über Prof. Dr. phil. Jutta Schöler

Jutta Schöler lehrte von 1980 bis 2006 als Professorin am Institut für Erziehungswissenschaft der Technischen Universität Berlin. Seit Beginn ihrer Berufstätigkeit beteiligte sie sich an dem Versuch, dass das Schulsystem Kinder nicht wegen unterschiedlicher Leistungen trennt. Das bedeutete Anfang der 60er Jahre Beteiligung an der Einführung eines freiwilligen 10. Schuljahres für Hauptschüler und seit 1964 Beteiligung an der Planung der Gesamtschulen. Die Mutter zweier Töchter begleitete Integrationsprojekte in Österreich und nach der Wende in Brandenburg. Sie publizierte zahlreiche Aufsätze, Zeitschriften- und Buchveröffentlichungen zum Thema »Gemeinsamer Unterricht«. Ihr aktuelles Buch: »Alle sind verschieden. Auf dem Weg zur Inklusion in der Schule« ist 2009 im Beltz-Verlag erschienen.

Quelle: http://diegesellschafter.de/tagebuch/eintrag.php?eid=1419&z1=1262613146&z2=73c2c4c847d6d570637cdbe78e71eab5

Kommentare:

  1. Ich bin seit 32 Jahren Lehrerin und war in allen Schulformen tätig. Mir ist jede Schulform aus eigenem Unterricht vertraut.Wir haben doch bereits Inclusion!Von 28 Schülern meiner Klasse sind 12 mit Sonderregelungen, die berücksichtigt werden! Gilt nur noch Mittelmaß? Immer , wenn etwas ausprobiert wird in Sachen Erziehung und Bildung, haben die Lehrer ungefragt strammzustehen. Ist das alles? Weiß überhaupt jemand von Politikern oder " Schriftstellerprofessoren" was in den Schulen abgeht? Womit stündlich und täglich gekämpft werden muss?( LRS, ADS ADHS, Diskalkulie, emotionale Störungen, Verhaltenauffälligkeiten, Multikulturell, Rechtsradikalismus) Und bitte in einer Klasse! Das ist das tägliche Brot an ganz "normalen" Regelschulen im Land! Unter dem Deckmantel der Inclusion werden parteipolitische Debatten geführt.Es ist entschieden und nun diskutiert man . Worüber? Weisen Sie doch an! Es ist zeitsparender und glaubwürdiger! Ist es selektiert nur weil nach Fähigkeiten beschult wird? Nur wer so denkt selektiert!!Schulen,die tatsächlich die Kinder nach deren Fähigkeiten mit ganz eigenen didaktischen, methodischen und strukturellen Prinzipien optimal fördern konnten sind eine Bereicherung und eine sichere Haltestelle für Behinderte. Jeder Mensch hat seine ganz eigenen Grenzen und diese zu akzeptieren, darin das Optimale für ihn zu organisieren, das ist für mich Inclusion. Ein Arzt hat einen Patienten vor sich! Einzeln. Lehrer haben mindestens 20 Schüler mit 20 verschiedenen Ausgangssituationen vor sich oder werden etwa die Schlüsselzahlen verändert? Inclusion muss in den Herzen der Menschen beginnen, nicht in Köpfe gehämmert werden und schon gar per Politik verordnet sein. Inclusion ist Herzenssache am richtigen Ort. Ich habe 2 Jahre selbst in einem Behindertenheim gearbeitet Reden Sie also nicht von Vorteilen der Inclusion, zeigen Sie diese!

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    1. Besten Dank fuer Ihren Kommentar... ich bin da ganz bei Ihnen und bin als Mensch mit Behinderung und einem Sohn mit Autismus Experte in eigener Sache und kann auf 43 Jahre Erfahrung zurueckblicken.

      Nein, Inklusion ist heute nur an wenigen Schulen tatsaechlich realisiert. Erst wenn alle Behinderungsformen tatsaechlich in eine "Schule fuer Alle" inkludiert worden sind kann man von Inklusion im Sinne des Artikel 24 UN BRK sprechen, d.h. beispielsweise auch die Aufnahme von Kindern mit Autismus, der bei einigen Formen mit Verhaltensstoerungen verbunden ist. Dies laesst sich selbstverstaendlich nur mit individuellen Adaptionen tatsaechlich realisieren (Methode ABA - applied behaviour analysis und persoenlicher Assistenz); einige Schulen haben bereits entsprechend gehandelt und Angebote geschaffen...

      Ich halte es fuer erforderlich, dass angehenden Sozialpaedagogen zukuenftig Methoden wie ABA vermittelt werden, was bisher mangelhafterweise an keiner Deutschen Universitaet der Fall ist, denn dies ist zwingende Voraussetzung fuer die Inklusion nach Artikel 24 UN BRK.

      Es ist auch erforderlich den Kontakt zwischen Eltern, Schulen und der Wissenschaft zu intensivieren wenn es um Behindertenfragen geht.

      Vielen Dank fuer Ihren Kommentar, der belegt, dass bisher lediglich Kinder mit relativ leichten Behinderungen integriert worden sind, aber noch keine Inklusion stattgefunden hat. Hierzu ist nicht nur das Herz von Menschen zu bewegen, sondern es sind darueberhinaus auch politische Beschluesse noetig, die die erforderliche Infrastruktur verfuegbar machen!

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  2. Na toll,politische Beschlüsse gibt es wohl, aber Konzepte? Ausgebildetes Personal?In der Brd gibt es bereits seit 20 Jahren intaktes und hervorragendes Arbeiten in der Behindertenförderung.Inklusion sprengt jeden Rahmen, da inhaltliche wie praktische Voraussetzungen fehlen. Außerdem sollte Schule nicht mit macht verdonnert werden politische beschlüsse umzusetzen. Hat man auch an die unbehinderten Kinder gedacht? Es gibt Stressstudien, was ist wenn unbehinderte Kinder gestresst werden oder umgekehrt? Ist nicht Behutsamkeit geboten?Sollten Eltern und Kinder nicht selbst entscheiden?

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